ApplikationsspezialistGeräte wie Röntgenapparate oder Computertomografen sind hochkomplex. Applikationsspezialisten sorgen dafür, dass das Personal in Kliniken und in Fachpraxen die Technik richtig bedient. Ein Job, bei dem das Leben aus dem Koffer zum Alltag gehört - und der einem ohne Studium zu vergleichsweise gut dotierten Positionen verhilft.

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Elisabeth Schulze-Brexel arbeitete sieben Jahre als Medizinisch-Technische Assistentin, fünf Jahre davon in der Kardiologie. Röntgenuntersuchungen von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren ihr daher vertraut. Dann lernte sie bei einer Schulung für ein neues Gerät eine Siemens-Mitarbeiterin kennen, die als Applikationsspezialistin arbeitete - und fand ihre neue Wunschstelle. „Zunächst war ich bei Siemens als Applikationsspezialistin für Geräte zur Magen-Darm-Diagnostik eingesetzt, ein halbes Jahr später wechselte ich dann auf eine Stelle, bei der ich Röntgengeräte für die Untersuchung des Herzens betreute" - Schulze-Brexels Spezialgebiet. Verkaufte der Siemens-Geschäftsbereich ein entsprechendes Gerät, war Schulze-Brexel für die Schulung des Bedienpersonals zuständig. „Da ist oft schon sonntags die Anreise zum Kunden angesagt gewesen."

Mehr als 90 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt ein Applikationsspezialist außerhalb des Büros, führt also ein Berufsleben, das einem Außendienstmitarbeiter ähnelt. Tatsächlich sind Applikationsspezialisten auch bei Verkaufsgesprächen dabei, um neue Geräte vorzuführen. Denn hierfür ist oft ein tiefes Fachwissen erforderlich, das ein Vertriebsmitarbeiter nicht mitbringt.

„Applikationsspezialisten haben meistens einige Jahre Berufserfahrung gesammelt, bevor sie eine solche Stelle bekleiden können", sagt Günter Schillinger, Inhaber der gleichnamigen Unternehmensberatung in Laudenbach an der Bergstraße, die sich auf das Themenfeld Medizintechnik und -ökonomie spezialisiert hat. Technische Assistenten, Krankenschwestern, „teils auch Chemiker oder Verfahrenstechniker, wenn es um Laboranwendungen geht" brächten das nötige Fachwissen für eine solche Tätigkeit mit. „Denn die Ingenieure, die die Geräte entwickeln, besitzen ja kein Anwendungswissen", verdeutlicht Schillinger. Und so nehmen Applikationsspezialisten neben ihren Aufgaben im Bereich Schulung und Demonstration oft auch die Rolle eines Testers für die eigene Entwicklungsabteilung ein: Sie prüfen aus der Perspektive der späteren Anwender quasi die Alltagstauglichkeit von Prototypen.

„Ein Applikationsspezialist muss sich auf verschiedene Charaktere einstellen können", sagt Schillinger. „Präsentieren und improvisieren sollte einem ebenfalls liegen." Denn während der Schulung vor Ort beim Kunden könnten auch mal unerwartete Situationen auftreten. Gutes Englisch ist eine weitere wichtige Voraussetzung für diesen Beruf. Und obwohl er meist einen Hintergrund aus den Pflege- und Heilberufen mitbringt, muss ein Applikationsspezialist in wirtschaftlichen Zusammenhängen denken können. „Das Anfangsgehalt kann dann bis zum Doppelten dessen betragen, was man vor seiner Tätigkeit als Applikationsspezialist bekommen hat", so Schillinger. Bei großen Unternehmen der Medizintechnik regelt ein Tarifvertrag das Einkommen, zusätzlich bekommt man variable Anteile, die sich an Kundenbewertungen orientieren. Um wie viel höher das Gehalt dann tatsächlich im Vergleich zum alten Job ausfällt, hängt stark vom einzelnen Arbeitgeber ab.

Stellenausschreibungen und persönliche Kontakte sind typische Einstiegswege in diesen Beruf. Bei Chantal Kock war es eine Anzeige, die Philips Medizin Systeme geschaltet hatte. Die 29-jährige wechselte im Jahr 2005 nach einer beruflichen Station als Medizinisch- Technische Radiologieassistentin von einer radiologischen Praxis in Kiel zu ihrem heutigen Arbeitgeber. „Mein fachlicher Hintergrund als gelernte MTRA ist typisch für eine Applikationsspezialistin", sagt Kock, die inzwischen Mediziner und Pflegepersonal in der Bedienung neuer digitaler Röntgensysteme schult, die den klassischen Film weitestgehend ersetzt haben. Für den deutschsprachigen Markt beschäftigt Philips insgesamt 40 Applikationsspezialisten.

„Ob einem das viele Reisen liegt, muss man letztlich ausprobieren", rät Kock. „Das lässt sich nicht vorab klären." Zwei bis drei Wochen vorher kennt sie meistens ihre Termine und bucht dann Anreise und Unterkunft. „Beim Kunden gibt es relativ wenig Theorie, sondern man begleitet vor allem den Routinebetrieb am neuen Gerät. Das kann ein bis vier Tage dauern." Der Job sei abwechslungsreich, und sie schätze den Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen, sagt Kock. Jedes Projekt fordere einen aufs Neue.

Elisabeth Schulze-Brexel hat das Reisen dagegen inzwischen drastisch eingeschränkt. „Mit zwei Kindern geht das nicht mehr so einfach", gibt sie zu bedenken. Inzwischen arbeitet die 52- jährige in der Zentrale von Siemens Healthcare in Erlangen. „Hier organisiere ich Einsätze und Trainings der Kollegen." Für die weltweit tätigen Applikationsspezialisten bietet die Zentrale ein umfangreiches Programm an Trainingsmodulen. Daneben ist Schulze-Brexel auch für die inhaltliche Seite der E-Learning-Plattform ihres Geschäftsbereichs zuständig, über die sich die Kollegen permanent weiterbilden. Rund 60 Applikationsspezialisten arbeiten in Deutschland bei Siemens Healthcare.

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