Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch

Herzlichen Glückwunsch, Ihre Bewerbung hat bis zu dieser Stelle überzeugt. Das Unternehmen möchte Sie persönlich kennenlernen. Das Einladungsschreiben zum Vorstellungsgespräch enthält Informationen zu Ihren Gesprächspartnern, dem Zeitpunkt und der Anreise. Sollten diese Infos fehlen, zögern Sie nicht nachzufragen. Zusätzlich schicken Recruiter direkt auch ein Formular zur Fahrtkostenerstattung mit. Wenn dies bei Ihnen nicht der Fall ist und Sie auch beim Gespräch vor Ort nichts erhalten, können Sie nachfragen, an wen Sie sich für diese Angelegenheit wenden sollen. Eine Übernahme der entstandenen Fahrtkosten ist gesetzlich vorgeschrieben. Kann das Unternehmen aus wichtigem Grund diese nicht erstatten, muss es bereits im Einladungsschreiben darauf hinweisen. Sind Sie arbeitssuchend gemeldet, kündigen Sie den Betrag im Vorfeld bei der Agentur für Arbeit an, diese zahlt Ihnen die entstandenen Kosten im Nachgang.

Abhängig von Unternehmen und Position können Sie mit bis zu zwei Vorstellungsgesprächen rechnen. Je Termin kann ein Interview zwischen einer und vier Stunden lang dauern. Gesprächspartner werden aus Personal- und Fachabteilung sein. Neben künftigen Vorgesetzen können Sie hier auch auf künftige Kollegen treffen. Allen gemeinsam ist der Wunsch Sie näher kennenzulernen. Im Mittelpunkt stehen Ihre Motivation, Persönlichkeit und Kompetenz. Präsentieren Sie sich gut informiert und treten Sie sympathisch sowie als kompetenter, leistungsbereiter Experte auf.

Während eines Vorstellungsgespräches kann es auch zu kleinen fachlichen Aufgaben kommen. Mal bekommen Sie ausreichend Zeit sich in Ruhe der Lösung einer Fallstudie zu stellen, ein andermal sollen Sie aus dem Stehgreif eine Kurzpräsentation halten, damit man sich ein Bild Ihrer kommunikativen Skills machen kann. Auch, wenn Arbeitgeber ihren individuellen Prozess haben, gibt es feste Ablaufphasen eines Vorstellungsgespräches auf die Sie sich einstellen können.

Kandidatin Vorstellungsgespräch

Der Ablauf

Warm-up mit Small Talk

Das Unternehmen möchte Sie bestmöglich kennenlernen, daher werden die Recruiter zunächst versuchen Ihnen die Nervosität zu nehmen. Dies tun sie, indem sie mit Small Talk zu Anreise, Wetter etc. eine lockere und angenehme Atmosphäre schaffen.

Vorstellung der Gesprächspartner

Oft kommt nun der Zeitpunkt, wo Recruiter und anwesende Fachvertreter ein paar Takte zu sich selbst erzählen. Auch eine Überleitung zu einer Unternehmensvorstellung ist hier möglich. Idealerweise wird danach die Position beleuchtet. Machen Sie sich währenddessen kurz Notizen und hören Sie aufmerksam zu. Eventuell lassen sich daraus später Fragen ableiten.

Ihre Kurzvorstellung

Jetzt sind Sie an der Reihe. Ihre Gesprächspartner möchten mehr über Sie erfahren. Je nachdem wie detailliert man informiert werden möchte, können Sie hier Ihren einstudierten Elevator-Pitch (Kurzvorstellung) vortragen. Wichtig: Langweilen Sie Ihr Gegenüber nicht mit einer eins zu eins Wiedergabe Ihres Lebenslaufs. Zeigen Sie Persönlichkeit und stellen Sie relevante Eigenschaften und Erfahrungen mit Beispielen in den Vordergrund. Ein ausgedruckter Lebenslauf kann Ihnen als Gedankenstütze dienen, vermeiden Sie jedoch Ausschweifungen oder einen permanent gesenkten Blick.

Fachliche Fragen/ Case Study/ Test

Jetzt geht es ans Eingemachte. Nachdem bislang die Aufmerksamkeit verstärkt auf Ihrer Persönlichkeit lag, möchte der Arbeitgeber nun Ihre fachlichen Skills prüfen. Halten Sie das, was Ihre Bewerbungsunterlagen versprechen? Anhand von typischen Herausforderungen, die es bei der Position zu lösen gilt, wird Ihre Kompetenz auf die Probe gestellt. Im konkreten Fall können das Gedankenspiele sein, Fallbeispiele, Rollenspiele oder Tests. Dieser Punkt sowie das Thema „Gehaltsverhandlung“ können auch erst in einem zweiten Gespräch angesprochen werden.

Ihre Fragen

Gibt es von Seiten des Arbeitgebers keine Unklarheiten mehr, erhalten Sie die Möglichkeit Ihre Fragen an das Unternehmen zu richten. Je „tiefer“ die Fragen gehen, desto klarer wird es, dass Sie sich mit der Stellenanzeige und dem Unternehmen intensiv auseinander gesetzt haben, was positiv gewertet wird. Darüber hinaus können Sie sich auch erkundigen, ob es möglich ist, den künftigen Arbeitsplatz ansehen zu können oder mit den Kollegen zu sprechen.

Vertragsunterzeichnung
Vertragliche Rahmenbedingungen: Gehalt, Urlaub, Arbeitszeiten, …

In diesem Gesprächsabschnitt geht es um die vertraglichen Konditionen. Hierzu gehören das Gehalt, Urlaubstage, Arbeitszeiten oder auch individuelle Zusatzleistungen des Arbeitgebers. Kommt es im Vorstellungsgespräch zur Gehaltsverhandlung, können Sie sich sicher sein, dass der Arbeitgeber sehr an Ihnen interessiert ist. Andererseits würde das Thema nicht zur Sprache kommen. Treten Sie selbstbewusst auf und verkaufen Sie sich nicht unter Wert. Bleiben Sie bei Ihren Forderungen jedoch realistisch, Ihr Gehaltswunsch sollte der Position, Branche und Unternehmensgröße angemessen sein. Sollte der Arbeitgeber noch nicht bereit sein Ihnen die Wunschsumme zu zahlen, können Sie in entgeltfreien Zusatzleistungen eine Option sehen oder vorschlagen, dass nach der Probezeit eine Anpassung erfolgt. Diese Erhöhung sollte aber schriftlich fixiert werden. Gibt es einen Haustarifvertrag oder gar einen öffentlich einsehbaren Tarifvertrag, können Sie sich den Gehaltspoker sparen. Denn, anhand der Tariftabelle können Sie Ihre mögliche Entlohnung direkt online ablesen.

Neben dem Gehalt spielt die Anzahl der Urlaubstage für viele Arbeitnehmer eine entscheidende Rolle. Häufig gewähren Unternehmen 30 Tage Urlaub, doch ist dies keinesfalls der Standard oder gar verpflichtend. Gesetzlich vorgeschrieben sind indes bei einer 6-Tage Woche (Mo - Sa) mindestens 24 Urlaubstage im Jahr. Wenn an nur fünf Tagen in der Woche (Mo - Fr) gearbeitet wird gibt es nur 20 Urlaubstage, die einem als Minimum zustehen. 

Neben der Dauer des Vertragsverhältnisses (unbefristet oder befristet; befristet mit sachlichen Grund oder ohne) wird auf die zu leistende Wochenarbeitsstundenzahl eingegangen. Gegebenenfalls wird an dieser Stelle auch auf eine bestehende Überstundenregelung Bezug genommen. Als Vollzeit gilt allgemeinhin eine 40 Stundenwoche, kann aber je nach Unternehmen auch Mal 42 Stunden bedeuten. Dies ist vor allem bei Teilzeitverträgen mit 75% oder 50% wichtig zu wissen. Bei einer 6-Tage Woche ist gesetzlich eine maximale Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche erlaubt. In Ausnahmefällen kann dies kurzzeitig sogar erhöht werden.

Verabschiedung

Das Vorstellungsgespräch ist nun so gut wie geschafft. Das weitere Vorgehen wird kurz umrissen (wann meldet sich das Unternehmen, gibt es ein weiteres Gespräch, wird ein Schnuppertag vereinbart?), ehe das Gespräch offiziell beendet ist. Bedanken Sie sich für das interessante und angenehme Interview, achten Sie dabei auf einen festen Händedruck und ein freundliches Lächeln.

Tipp: Um sich im Nachgang hervorzutun, können Sie per Mail nochmals Ihr Interesse an der Position bekräftigen.