Das perfekte Anschreiben

Manche Unternehmen versuchen es ihren Bewerbern so leicht wie möglich zu machen und fordern kein Bewerbungsanschreiben mehr an. Lediglich der Lebenslauf zum Teil aber auch nur das XING/ LinkedIn/ Github-Profil wird verlangt. Der Großteil der Arbeitgeber fordert jedoch noch den traditionellen Dreiklang der Bewerbung: Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse.

Fertigen Sie für jede Stellenanzeige auf die Sie sich bewerben, ein individuelles Anschreiben an.

Versetzen Sie sich immer in die Lage des Recruiters, der Ihre Bewerbungsunterlagen sichtet – zusammen mit hunderten von anderen Bewerbungen, die für das jeweilige Stellenangebot eingegangen sind. Mit einem unspezifischen Anschreiben, welches mit anderer Adresszeile auch an ein Konkurrenzunternehmen geschickt werden kann, fallen Sie nicht auf. Der Recruiter muss das Gefühl bekommen, dass sich der Kandidat bereits eingehend mit dem Unternehmen befasst hat.

Warum will der Bewerber gerade bei uns anfangen? Wie kann der Bewerber uns weiterhelfen?

Das sind zwei zentrale Fragen, deren Beantwortung Sie im Anschreiben thematisieren sollten. Klassischerweise wird der erste Absatz des Bewerbungsanschreibens verwendet, um auf das Unternehmen einzugehen.

  • Wie sind Sie auf das Stellenangebot aufmerksam geworden? (Jobbörse, Zeitung, Empfehlung, Aktive Ansprache von Recruiterkollegen etc.)
  • Welchen Bezug haben Sie zu dem Unternehmen? (Kennen Sie Mitarbeiter, haben Sie ein Praktikum absolviert, können Sie sich mit den Produkten in besonderer Weise identifizieren, finden Sie die Haltung des Unternehmens in Punkto Nachhaltigkeit/ Produktionsverfahren/ Sozialem Engagement etc. bemerkenswert, hat Sie das persönliche Gespräch am Messestand begeistert usw.)
  • Warum wollen Sie dort arbeiten? (Sind es die spannenden Technologien/ Produkte, ist es die Wohnortnähe, das ausgezeichnete Arbeitgeberimage etc.)

Im nächsten Abschnitt gehen Sie auf Ihr fachliches Know-how ein und berücksichtigen dabei, welche Anforderungen in der Stellenbeschreibung genannt sind. Im besten Fall haben Sie bereits relevante Erfahrungen gesammelt, anhand dessen Sie aufzeigen können, was Sie dem Arbeitgeber bieten können. Inwiefern können Sie das Team unterstützen, vorhandene Probleme lösen und das Unternehmen voranbringen? Versuchen Sie nicht bloß Tätigkeiten aufzuzählen, denn diese finden die Recruiter schließlich auch in Ihrem Lebenslauf aufgelistet.

Achten Sie außerdem darauf keine Behauptungen aufzustellen. Schreiben Sie also nicht einfach, dass Sie ein erfolgreicher Pharmareferent sind. Veranschaulichen Sie Ihre erzielten Ergebnisse. Zum Beispiel: Ich bin im Gebiet Stuttgart, Esslingen und Ludwigsburg zuständig für den Vertrieb der OTC-Präparate (Marke XY). Während der letzten Jahre bei (aktueller Arbeitgeber) konnte ich pro Quartal verlässlich vierstellige Umsätze generieren. Durch Vertriebstrainings und Rhetorikseminare in diesem Sommer, konnte ich zudem innerhalb eines Monats doppelt so viele Kontakte wie sonst akquirieren und für eine Zusammenarbeit begeistern.

Sofern Sie noch keine mehr- oder langjährige Berufserfahrung vorweisen können und direkt von der Hochschule kommen, führen Sie an dieser Stelle passende Studienschwerpunkte, Praktika und Projekte im Rahmen des Studiums auf. Diese können geforderte fachliche Qualifikationen oder auch Soft Skills belegen.

Des Weiteren gilt es Ihr Alleinstellungsmerkmal zu identifizieren und in Ihrer Bewerbung miteinzuflechten. Stellen Sie sich hierzu Fragen wie: Was zeichnet mich aus? Worin bin ich besser als der Durchschnitt? Habe ich besondere Auszeichnungen erhalten, die für die Position relevant sind? Bin ich Experte und kann das mit Veröffentlichungen in namhaften Publikationen beweisen?

Lassen Sie Ihre Persönlichkeit (in Maßen) mit einfließen. Erzählen Sie was Sie antreibt, warum Sie für Ihr Fach brennen und vermitteln Sie unbewusst dem Recruiter das Gefühl, dass er Sie unbedingt braucht. Dabei gilt: präsentieren Sie sich selbstbewusst, aber niemals überheblich.

Um das Anschreiben nicht zu lang werden zu lassen, können Sie Ihr Know-how, Ihre Berufs- und Projekterfahrung ausführlich im Lebenslauf aufführen und im Anschreiben darauf verweisen.

Im letzten Teil nennen Sie Ihre zeitliche Verfügbarkeit und, sofern gefordert, Ihren Gehaltswunsch. Die akzeptable Höhe Ihres Wunschgehalts sollten Sie vorab recherchiert haben. Kalkulieren Sie im Bedarfsfall ein wenig höher, damit Sie nach einer guten Verhandlungsrunde auf Ihr eigentliches Wunschgehalt kommen. Generell muss die Summe jedoch realistisch, marktgerecht und der Unternehmensgröße sowie der Stellenanforderung und –verantwortung angemessen sein. Beenden Sie das Anschreiben mit der Bitte um ein Vorstellungsgespräch.

Empfehlung: Versuchen Sie Schlagwörter aus der Stellenanzeige ebenfalls im Anschreiben und im Lebenslauf unterzubringen. Beim ersten Scannen der Bewerbung durch automatisierte Bewerbungsmanagementsysteme oder durch den Recruiter wird oft nach Schlüsselbegriffen Ausschau gehalten. Sind diese entdeckt, erfolgt die ausführlichere Betrachtung der Unterlagen.

Formatierungstipps
  • Fassen Sie sich kurz. Ihr Anschreiben sollte eine DIN-A4-Seite nicht überschreiten.
  • Formatieren Sie Ihren Text in Schriftgröße 11 oder 12, aber niemals kleiner.
  • Wählen Sie eine Standardschriftart, welche gut zu lesen ist.
  • Unterschreiben Sie Ihr Anschreiben.
  • Experimentieren Sie nicht mit besonders schmalen Randeinstellungen, um besonders viel Text unter zu bringen.
  • Wenn Sie Farbe ins Spiel bringen wollen, beschränken Sie sich auf eine Farbe, neben Schwarz.
  • Speichern Sie Ihre Unterlagen wie vom Unternehmen gewünscht ab. Gängig ist das PDF-Format. Personalberatungen dagegen bevorzugen WORD-Dateien, um die Informationen schneller in Ihre Systeme einspeisen zu können.
  • Vermeiden Sie mehrere einzelne Dateien. Fügen Sie am besten alles in einer Datei zusammen und benennen Sie diese mit Ihrem Namen: z.B. Max_Mustermann_Bewerbungsunterlagen_komplett.pdf